Hormonelle Therapie

Das grundlegende Ziel der hormonellen Therapie der Endometriose ist die Blockierung der Produktion weiblicher Geschlechtshormone (Östrogen und Progesteron) oder dem Eisprung durch andere hormonelle Bedingungen vorzubeugen. 

Spezifische hormonelle Substanzen haben unterschiedliche Effekte bei Frauen mit Endometriose. 

  • Sie induzieren eine Scheinschwangerschaft: 

    Orale Verhütungsmittel, die Östrogen und Progestin enthalten, ahmen eine Schwangerschaft nach und hemmen so den Eisprung. (Progestine sind natürliche oder synthetische Formen des Progesterons). 

    Progestin kann auch alleine genutzt werden, da sie spezifische Effekte aufweisen, die eine Atrophie des Endometriumgewebes verursachen können. 
     

  • Sie induzieren eine Scheinmenopause: 

    Die Gonadotropin- Releasing Hormon (GnRH) Agonisten oder Gestrinon als Anti-Progesteron ahmen die Menopause nach. Sie reduzieren Östrogene und Progesterone im Körper. 
     

  • Sie induzieren eine fortwährende Blockade des Eisprungs. 

    Danazol, ein Derivat männlicher Geschlechtshormone, ist ein starker Eisprunghemmer. 

    Aktuell berichten Studien über eine Schmerzlinderung bei 80 -85% der Frauen unter Einnahme dieser Medikamente. Vergleichende Studien haben einige Unterschiede in der Wirksamkeit der hormonellen Hauptbehandlungsmethoden gefunden. Diese Unterschiede manifestieren sich hauptsächlich im Bereich der Nebenwirkungen. 

    Alle Frauen sollten die Wirkungen bestimmter Medikamente mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, um die für sie beste Wahl herauszufinden. 

    Orale Verhütungsmittel 

    Orale Verhütungsmittel (OVs), allgemein als ""die Pille"" bekannt, enthalten eine Kombination aus Östrogen und Progestin (entweder als natürliches Progesteron oder als synthetische Form, die als Progestogen bezeichnet wird). 

    OVs können das Risiko von Eierstockkrebs um 30% bis 50% und das von Gebärmutterkrebs um 50% senken, was möglicherweise einen wichtigen Nutzen für Frauen mit einer Endometriose darstellt. (Verhütungsmittel sind auch als Pflaster erhältlich, können aber möglicherweise das Risiko menstrueller Krämpfe erhöhen). 

    Wenn sie während des gesamten Menstruationszyklus eingenommen werden, hemmen sie die Wirkung anderer Reproduktionshormone (Luteinisierendes Hormon LH und das Follikel stimulierende Hormon, FSH) und beugen so dem Eisprung vor. 

    Es sind viele Sorten verfügbar. Auch hier sollten Frauen die beste Wahl in Bezug auf ihre persönliche Situation mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. 

    Sowohl Östrogen als auch Progestin verursachen Nebenwirkungen. Die ernsthaftesten Nebenwirkungen werden durch das Östrogen in den Kombinationspräparaten hervorgerufen. Seltene, aber gefährliche Nebenwirkungen der OVs sind hoher Blutdruck und eine tiefe Venen Thrombose, die in seltenen Fällen zu Herzinfarkten oder auch Schlaganfällen führen können. 

    Progestine 

    Progestine können den Eisprung verhindern und das Risiko einer Endometriose auf dem folgenden Wegen reduzieren: 

    • Sie hemmen das Luteinisierende Hormon (LH), eines der für den Eisprung wichtigen Reproduktionshormone. 
    • Sie verändern die Gebärmutterschleimhaut und führen möglicherweise zu einer Schleimhautatrophie.

    Spezifische Progestine. 

    Medroxyprogesteron (Depo-Provera), welches typischerweise alle drei Monate als Spritze verabreicht wird, stellt den Standard dar. 

    Andere Progestine, die sich als nützlich erwiesen haben sind Norethisteron (Micronor, Noriday, Noristerat), Dienogest und Lynestrenol. 

    Progestin freisetzende intrauterine Spiralen (IUDs) können bei vielen Frauen mit einer Endometriose sehr hilfreich sein, insbesondere in der fortschrittlichen Version als Levonorgestrel-freisetzendes intrauterines System oder LNG-IUS (Mirena). Studien lassen vermuten, dass das LNG-IUS die endometriale Zellproliferation mindert und die Selbstzerstörung der Zellen fördert. Das von der IUD freigesetzte Progestin zeigt nahezu ausschließlich Wirkungen auf die Gebärmutter und den Gebärmutterhals, so dass weniger systemische Nebenwirkungen entstehen als mit anderen Progestinformen. 

    Progestinnebenwirkungen. 
    Progestinnebenwirkungen treten sowohl in oralen Kombinationspräparaten mit Östrogen als auch in reinen Progestinverhütungsmitteln auf, obwohl sie dort weniger schwerwiegend sein können, abhängig von der Form und der Dosierung des Verhütungsmittels. Nebenwirkungen können folgende sein: 

    • Änderungen der Blutungen. Dazu zählen größere Mengen während der Regel, Schmierblutungen und Blutungen zwischen den Regelblutungen (Zwischenblutungen) oder ein Fehlen der Regelblutung. Wenn eine dieser Nebenwirkungen auftritt, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. 
    • Unerwarteter Milchfluss (Um auszuschließen, dass dem keine anderweitige Erkrankung zugrunde liegt, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt aufsuchen). 
    • Bauchschmerzen oder – Krämpfe. 
    • Durchfall. 
    • Müdigkeit, ungewöhnliche Abgeschlagenheit, Schwäche. 
    • Hitzewallungen. 
    • Verringerte sexuelle Lust. 
    • Übelkeit. 
    • Schlafstörungen. 
    • Depressionen, Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen. 
    • Schwellungen im Bereich des Gesichts, der Knöchel oder der Füße. 
    • Gewichtszunahme.

    Neuere Zusammensetzungen der Kombinationspillen, die niedrigere Östrogendosen und neuere Formen von Progstinen nutzen, können viele dieser Nebenwirkungen reduzieren oder sogar verhindern. 

    Bei Progestinen, die in Form von nicht oralen Verhütungsmitteln verabreicht werden, treten diese Nebenwirkungen mit einem nicht so hohen Risiko auf. 

    Wenn Nebenwirkungen bestehen bleiben oder sich verstärken, sollte jede Frau immer Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Viele Frauen zeigen diese Nebenwirkungen nicht, oder wenn sie solche aufweisen gewöhnt  sich ihr Körper eventuell daran. 

    GnRH Agonisten 

    Gonadotropin freisetzendes Hormon (GnRH) Agonisten sind effektive Hormone in der Behandlung der Endometriose. Sie können die Freisetzung der Reproduktionshormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel stimulierendes Hormon) blockieren. Als Ergebnis beenden die Eierstöcke den Eisprung und die Produktion von Östrogen, welches aber für das Wachstum der Endometrioseherde erforderlich ist. 

    Spezifische GnRH Agonisten. 

    Zu den GnRH Agonisten gehören Goserelin (Zoladex), Buserelin, eine monatliche Injektion von Leuprolide (Depot Lupron), und ein Nasenspray, Nafarelin (Synarel). 

    Nebenwirkungen und Komplikationen. 

    Im Allgemeinen zählen zu den Nebenwirkungen (die bei manchen Frauen stark ausgeprägt sein können) Menopausen ähnliche Symptome wie Hitzewallungen, Nachtschweiß, Scheidenmileuänderungen und Gewichtsveränderungen. Frauen sollten sie daher nach Möglichkeit nicht länger als sechs Monate einnehmen. 

    Eine alleinige Therapie mit GnRH Agonisten schützt nicht vor einer Schwangerschaft. Darüber hinaus besteht sogar, bei Eintreten einer Schwangerschaft während ihrer Einnahme das Risiko von gestörten Schwangerschaften. 

    Daher sollten Frauen, die GnRh Agonisten einnehmen, unter der Therapie zusätzlich mit nicht hormonellen Verhütungsmitteln arbeiten – wie einem Diaphragma oder Kondomen. 

    Danazol 

    Danazol ist eine synthetische Substanz, die den männlichen Geschlechtshormonen ähnelt. Sie unterdrückt die zur Ovulation führenden Wege. 

    Es gibt eine hohe Abbrecherrate, die am häufigsten durch die Nebenwirkungen verursacht wird, insbesondere männliche Charakteristika wie eine zunehmende Gesichtsbehaarung, Akne, eine Gewichtszunahme und eine tiefere Stimme. Außerdem kann Danazol ungesund hohe Cholesterinspiegel verursachen. Es wurde von einigen Fällen von Blutthromben und Schlaganfällen berichtet, außerdem in ganz seltenen Fällen von Leberschäden. 

    Antiprogestine 

    Antiprogestine stellen viel versprechende Substanzen zur Behandlung der Endometriose dar, da sie sowohl die Östrogen als auch die Progesteronrezeptoren verringern. 

    Zu diesen zählen 

    • Gestrinon.
    • Mifepriston.

    Im Studienstadium befindliche Hormone 

    GnRH Antagonisten. 

    Zu den GnRH Antagonisten gehören Ganirelix (Antagon) und Cetrorelix (Cetrotide). Diese sind neuere Substanzen, die sich von den GnRH Agonisten in der Form unterscheiden, dass sie direkte Wirkungen auf die Zirbeldrüse haben. Daraus folgt ein schnellerer Wirkungseintritt. Außerdem haben sie ein geringeres Risiko an Nebenwirkungen und Komplikationen. 

    Aromatasehemmer. 

    Medikamente, welche die Aromatase, ein Enzym, das bei Frauen in der Menopause in großen Mengen vorkommt, blockieren, werden auf ihre Wirkungen hinsichtlich der Endometriose untersucht. 

    Selektive Östrogen-Rezeptor Modulatoren (SERMs). 

    Von Medikamenten, die als selektive Östrogen-Rezeptor Modulatoren (SERMs) bekannt sind, wird angenommen, dass sie sich einerseits wie Östrogene, aber auch andererseits wie ein Östrogen Blocker (Antiöstrogene) verhalten. Sie sind noch nicht ausreichend in Bezug auf die Endometriose untersucht und daher bedarf es hier noch weiterer Forschungen. 

    Fulvetrant. 

    Fulvetrant (Faslodex) blockiert Östrogene und ist in Bezug auf Gebärmuttermyome und Endometriose untersucht worden. 

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